Sonntag, 25. April 2010

Der jährliche Kochtipp...

...Vor einer Woche hatte ich die Ehre zum 80. Geburtstag der Oma zweier guter Freunde ein Menü für 15 Personen kochen zu dürfen. (für eine davon eher "Schwiegeroma"...aber egal)

Tolle Ideen hatte ich, vier reizvolle Gänge mit originellem und traditionellem. Hübsch auf dem Teller arrangiert und ausgesprochen köstlich sollte es werden. Dies ist die Geschichte meines Scheiterns. (Allerdings nur für mich und hinter dem "Vorhang"; die Gäste meines Freundes und er selbst bekamen nichts mit...für Sie war das Essen "superlecker" und alles ganz großartig.)

Mein Geburtstagsmenü bestand aus folgenden Gängen: Als Erstes eine Radieschenschaumsuppe, anschließend gebratener Lachs mit einem Salat aus Ruccola und Feldsalat, danach ein rosa gebratenes Schweinefilet mit einem Blumenkohl, Broccoli, Kartoffelauflauf und als Dessert ein Grießflammerie mit Eierlikör. Soweit so appetitlich.  

Die Radieschenschaumsuppe ist relativ leicht zu kochen. Einfach Radieschen mit Grünzeug aber ohne Stängel kleingeschnitten in  einen Topf werfen, bisschen Butter dazu, Kartoffeln auch noch, und dann alles kochen lassen bis der Kram pürierbereit ist. Dann pürieren um anschließend mit Sahne und Creme Fraiche abzuschmecken. Hier lauerte dann auch mein erster Fehler. Die Suppe war schon seit Mittag fertig und musste nur noch aufgekocht werden. Was ich nicht bedachte: Umrühren vor dem in die Teller füllen! Und so kam es, dass die ersten Teller mit Brühe und die letzten mit Suppe befüllt wurden.

Der Lachs war der einzige Teil des Menüs der so auf den Teller kam wie gewollt. Amüsanterweise lobte man besonders das Dressing des Salates. Zu meiner Schande musste ich aber gestehen, dass es sich dabei um ein Fertigprodukt der Traditionsfirma Maggi handelte. Na gut, aber die Feldsalat/ Ruccola-Mischung ging ja trotzdem auf meine Kappe. Ganz zu schweigen von der Babytomate die halbiert als Garnitur obenauf lag.


Das Schweinefilet mit Auflauf geriet allerdings zu meinem persönlichen Waterloo. Das Fleisch war zwar okay und auch hübsch rosa, der Auflauf allerdings...nun ja. Die (ganz bestimmt gute) Idee war folgende: Man legt ein Förmchen mit Alufolie aus, buttert diese und schichtet dann sauber getrennt Kartoffelscheiben und winzige Röschen vom Blumenkohl und Broccoli um am Ende das Ganze widerum mit Kartoffeln zu bedecken. Dann noch eine Schlagsahne/ Ei-Mischung rüberkippen und ab in den Ofen damit. Dann sollte der Auflauf aus der Form geholt werden um ihn nun erst rundum mit Käse zu überbacken. Klingt hübsch oder? 
Um es kurz zu machen: Ganz große Scheisse! 1. Die Alufolie klebte fest in der Form 2. Der Auflauf klebte fest an der Alufolie 3. Nachdem alles voneinander mühselig getrennt worden war befand sich ein größerer Haufen Elend auf dem Teller. Es war zum weinen. 
Aber rettbar! Indem ich mit meinen Mithelfern den Auflauf mit den Händen zusammendrückte und mit einer Käsemischung "umschmierte" wurde der unansehnliche Kackhaufen dann doch noch hübscher. Und immer noch essbar. (Oder eher mit-dem-Gaumen-zerdrückbar...aber hey! das war ein 80. Geburtstag!)


Auch eher nicht so wie gewollt: mein Dessert. Grießflammerie ist im Grunde nichts anderes als Grießbrei der mit Gelatine "festgemacht" wird. Gern kann man zur Masse auch noch einen ordentlichen Hieb Eierlikör geben. Und das tat ich. Ordentlich. 
Wichtig ist allerdings, dass die Masse, vor dem Umfüllen in die Schälchen, umgerührt (da war es wieder...dieses umrühren!) wird und schon ein bisschen angedickt ist. Ist nämlich alles noch flüssig, sinkt der Grieß im Schälchen nach unten und oben bleibt der gelatinerte Rest. Nicht so hübsch und besonders ätzend wenn man versucht den Mist wieder aus den Schälchen zu bekommen. 
Das klappte dann aber und ich pappte alles auf einen Teller um anschließend Himbeer- und Vanillesoße drumherum zu tröpfeln.
Und hier gelang mir auch das einzige Meisterstück auf das ich wirklich dicke stolz bin. Die Himbeeresoße war unglaublich! Und vollkommen "billig" in der Herstellung. Einfach gefrorene Himbeeren mit einem drittel Erdbeeren aufkochen lassen, echte Vanilleschoten dazu, dann alles durch ein Sieb passieren. Bisschen Blattgelatine dazu. Nun mit einem kleinen Löffel kosten und der Versuchung widerstehen sich alles über den Körper zu giessen. (Ich schwöre, das Zeug war so unglaublich lecker...)
Aber natürlich haute ich auch beim Dessert an einer Stelle gründlich daneben. Neben dem Grießflammerie lagen auf jedem Teller noch ein paar filetierte Orangen und den dabei übrig gebliebenen Saft wollte ich als Orangesoße darüber gießen. Auch hier nur Vanilleschoten dazu, aufkochen und mit Blattgelatine andicken. Nur um Gottes Willen nicht zu viel davon. Denn als die Soße immer noch nicht dicker wurde packte ich den Topf ins Gefrierfach, ging eine rauchen um anschließend dem herrlichsten Orangepudding hallo zu sagen den ich je sah. Okay, kein Weltuntergang...einfach wieder auf den Herd stellen und vorsichtig erwärmen. Und dabei bleiben! Keine Zigarette rauchen gehen, sonst kommt man zurück und hat wieder Brühe vor sich. Ja, genau...so wie bei mir. Das Spielchen wiederholte ich insgesamt zweimal; danach hatte ich die Nase voll und die Herrschaften bekamen gelatinierte Orangesoße aufs Dessert. 


Abschließend stelle ich fest: Unfassbar anstrengend und doch ganz schön. Hat alles in allem Spaß gemacht aber nichts (gar nichts!) geht über einen Plan. 
Den Verwandten und meinem Freund hat es aber tatsächlich irre gut geschmeckt und im Grunde bin ich ja der einzige der weiß wie es hätte aussehen sollen. Die da "draußen" dachten es wär´ Absicht. Und da 80jährige Großmütter vermutlich diesen Blog nicht lesen werden, ist es auch kein Problem für mich  zuzugeben: Hast verkackt Alter! (Irgendwie jedenfalls...ein bisschen...bis auf die Himbeersoße)

Kommentare:

Kunstfehler hat gesagt…

Nun stell mal nicht dein Licht unterm Scheffel! :-)

Zeigefinger hat gesagt…

Hattest Du "DEN BEIKOCH" dabei?